Dieser Beitrag ist aus meiner Sicht der wichtigste Beitrag, wenn du verantwortungsvoll mit deinem Geld umgehen möchtest oder gar auf einen Versicherungsmakler, Berater, Mentor oder Coach zurückgreifen möchtest.
Fakt ist: Wenn man über Geld spricht, dann muss es verantwortungsvoll sein. Wenn du deine Finanzen jemanden anvertraust, dann muss dein Gegenüber das Wort VERANTWORTUNG in Person sein.
Fakt ist auch: Mit Geld wird Geld verdient und es wird viel zu viel „Schindluder“ (so sagt man das bei uns in der Gegend) getrieben. Nirgends wirst du so abgezockt wie bei Dienstleistungen, welche sich mit deinem teuer ersparten Vermögen beschäftigen.
Mit diesem Beitrag möchte ich dir zeigen,
- wo die Gefahren lauern,
- wie du sie erkennst,
- wie du sie hinterfragen kannst
und was die BaFin damit zu tun hat.
Was sind Coaches, Finfluencer und Co? – Das Wissen zuerst
Ein Coach, so wie ich auch einer bin, befähigt seine Kunden, Probleme zu lösen und seine Ziele zu erreichen. Dabei führt der Coach sein Gegenüber mit Fragen, durch Brainstormings und die notwendige Wissenvermittlung zum Ziel. Coaching ist kein Vortrag und/oder aufgezeichnetes Webinar. Dennoch passiert im Coaching etwas, was im Bereich Finanzen unabdingbar ist.
Es wird über Investitionen gesprochen. Dazu gehören die Arten, jedoch auch konkrete Titel.
Ein Finfluencer, so wie ich auch einer bin (wenn auch nur ein kleiner seiner Art), spricht öffentlich über Finanzen, Investitionen und konkrete Erfahrungen. Allein das nennen von bspw. Aktientiteln sorgt dafür, dass der Zuschauer inspiriert bzw. beeinflusst wird. Nun wird die ganze Thematik sehr spannend.
Das (befürwortende) Nennen eines Aktientitels ist quasi nicht mehr möglich!
Selbst wenn Sie Ihre Meinung öffentlich darüber äußern, ob eine
Aktie oder Krypto nach oben oder unten gehen wird – oder eine
Anlagestrategie fördern -, kann dies eine Anlageempfehlung, darstellen, für die Regeln gelten können.
Unter bestimmten Umständen kann auch die Bereitstellung von
Schulungs- oder Bildungsinhalten als Beratung oder Empfehlung
angesehen werden.
Dies ist aus dem vereinfachten Fact Sheet der BaFin.
Es muss nun also genau darauf geachtet werden, wer, was, wie sagt.
„Ich würde an dieser Stelle eher auf Realty Income als auf Gold setzen.“
ist bereits ein sehr kritischer Ausdruck.
Kritisch in der Hinsicht, weil ich damit (mehr oder weniger) beeinflusse(n könnte). Ein Thumbnail mit dem Text:
„Besser als Gold“
kann auch schon beeinflussende wirken.
Selbst Individuelle Portfolio Checks für Zuschauer gehören jetzt eher auf die Abschussliste!
Kurz zusammengefasst:
Erlaubt: Allgemeine Analysen („Ich finde Aktie X spannend, weil…“) oder das Zeigen des eigenen Depots.
Verboten: Direkte Kaufaufforderungen, die auf die Situation eines Zuschauers zugeschnitten sind (z. B. „Wenn du 1.000 € hast, kauf jetzt Aktie Y“).
Wichtig: Der Satz „Dies ist keine Anlageberatung“ schützt dich laut BaFin nicht, wenn dein Video inhaltlich wie eine Beratung wirkt.
Die BaFin verlangt nun eine extreme Offenlegung von Interessenkonflikten und eine erhöhte Transparenz. Aus diesem Grund möchte ich dir den 10 Punkte Codex vorstellen.
Solltest du Coach, Influencer oder Berater sein, dann kannst du gern diesen Codex verlinken und dich auf diesen Codex verpflichten bzw. dazu bekennen.
Der Codex in 10 Punkten
Hierbei handelt es sich um meinen persönlichen Codex, welchen ich in jedem Coaching und zukünftig bei jedem erstellten Content in den Sozialen Netzwerken und den Video Plattformen einhalten werde.
Kostentransparenz
Oftmals werden Kosten (besonders bei 1:1 Finanzdienstleitungen) nicht klar dargestellt. Das böse Erwachen kommt immer dann, wenn ich meinen Kunden darstelle, dass sie beim Abschluss einer Kapitallebensversicherungen eine Provision von mehreren tausend Euro gezahlt haben.
Das darf nicht sein und eine Darstellung im Kleingedruckten reicht nicht (mehr) aus. Bevor eine Dienstleistung in Anspruch genommen wird, müssen die Konditionen und die finalen (Abluss)kosten bekannt sein.
Merke: Keine Dienstleistung ist kostenlos. Wer nicht über anfallende Kosten spricht, verheimlicht dir WICHTIGES und fliegt an dieser Stelle schon aus den Codex. 😉
Follup Konstentransparenz
Besonders bei Coachings / Mentorings geschieht es, dass du nach Beendigung der Einheiten gesagt bekommst, dass wenn du noch besser oder mehr möchtest, den nächsten „Level“ buchen kannst.
Was mit einem zweistelligen Einstiegspreis beginnt, endet oft im fünfstelligen Bereich. Das wird oftmals nicht klar von Beginn an dargestellt.
Genauso verhält es sich mit möglich, zukünftig anfallenden Kosten, welche ein Produkt bereitstellt. Kritisch auch hier die klassischen Versicherungen.
Neben den Verwaltungskosten pro Zahlung können auch prozentuale Kosten vom laufenden Beitrag oder vom gebildeten Kapital anfallen.
Wenn diese bei nur 1 Prozent liegen und dein Makler dir nicht sagt, dass dies bei einem gebildeten Kapital von 100.000 Euro jedes Jahr 1.000 Gebühr macht, dann sind wichtige Folgekosten nicht klar dargestellt.
Merke: Stelle immer die Frage, welche Kosten (jährlich) über die gesamte Laufzeit anfallen.
Realistische Aussagen, die sich bewährt haben
Wie oft wird etwas schöngerechnet, die Steuern nicht beachtet oder einfach nur Rendite angenommen, die nicht mit dem Blick in die Vergangenheit belegbar sind. Hochrechnungen für die finanzielle Zukunft sind immer pessimistisch zu gestalten.
Am Lebensabend ist die Freude über mehr Kapital als geplant größer, als wenn sich verrechnet wurde und das Geld nicht mal für eine Reise pro Jahr ausreicht.
Hierbei empfehle ich immer einen bewährten Welt – ETF zu nehmen, die Rendite und Kursentwicklungen der letzten (mindestens) 20 Jahre und mit den Versprechungen des Beraters zu vergleichen. Liegen diese auf oder über dieses ETF-Niveau, dann sei bitte sehr skeptisch.
Merke: Frage immer, wie es bei der gegebenen Empfehlung renditetechnisch in den letzten 20 Jahren aussah und wo der Nachweis dazu ist.
Thema Riester Rente: Das IVFP nennt eine Nettorendite von im Schnitt etwa 3 % pro Jahr. Bei mir wurden in den Prognosen immer 4%, 6% und 8% dargestellt. Diese sind nie eingetreten … weißte Bescheid. 😉
Eigeninvestments klar nennen
Damit der Kunde / Coachie einen klaren Bezug zu Investments bekommt, müssen diese als Eigeninvestment gekennzeichnet werden. Dies geschieht aus zweierlei Gründen:
- Der Kunde erfährt dadurch, ob man selbst investiert ist. Ist das eigene Vertrauen in das Produkt oder den Titel und liegen praktische Erfahrungen vor. Wer ein Produkt (oder Investment) über Jahre begleitet, bringt eine deutlich bessere Expertise (zu diesem Produkt) mit als jemand, der es nur verkauft. Wer über Aktien redet, sollte darin investiert sein. Wer über Immobilien coacht, muss selbst welche besitzen ….
- Eine Empfehlung, in welche der Berater oder Coach investiert ist, unterliegt einer gewissen Befangenheit und kann auch den klaren Blick trüben bzw. Betriebsblindheit verursachen.
Merke: Wird dir etwas empfohlen (oder über ein Produkt gesprochen), dann frage, ob derjenige selbst investiert oder wie viel Jahr Erfahrungen damit gemacht wurden.
Bezahlte Kooperationen
Generell sollte jemand, der Geld mit Finanzberatungen, Coachings oder publizierenden Inhalte verdient, klar darüber und transparent sein, was er damit verdient. Das gilt für die Beratung selbst (Stundenpreis) UND für die Provisionen der vermittelten Produkte oder Anbieter.
Stell dir vor, dein Makler sagt dir, dass er für den Abschluss 4.500 Euro bekommt!
Wie sehr denkst du dann, dass das Produkt empfohlen wurde, nur um damit dein Bestes zu wollen?
Besonders bei Finfluenzern sollte dies im Bereich Kooperationen und Affiliate für den Zuschauer klar ersichtlich sein und nicht unter den Tisch gekehrt werden.
Merke: Stelle dir immer die Frage: Was hat mein Vermittler davon, wenn er mir DIESES Produkt oder diesen Titel empfiehlt?
Geld Ausbildung und Erfahrung reicht nicht aus
Sich ein finanzielles Thema anzueignen – das kann jeder leicht umsetzen. Jahrelange Erfahrung weitergeben – das ist nicht schwer. Die Frage ist bloß WIE! Wissen zu transportieren ist das eine, doch ein ausgebildeter Coach, Berater oder Therapeut zu sein, ist die andere Seite der Medaille.
Es gibt klare Trainings, wie Inhalte vermittelt werden, dass sie auch „richtig ankommen“. Es gibt Regeln, nach denen ich eine Coaching Environment aufbaue. Ich habe beispielsweise unzählige Workshops genießen dürfen, wo es darum geht
- wie ich mit Menschen und Lehrinhalten umgehe,
- wie Wissen effektiv präsentiert wird,
- wie ich empathisch mit Ängsten von Menschen umgehe,
- wie ich authentisch motiviere, ….
Ich könnte jetzt noch viel mehr aufzählen. Das gehört zum puren Wissen dazu. Denn ein Mensch, der sich finanziell weiterentwickeln möchte, wird sich automatisch in der Persönlichkeit weiter entwickeln.
Das kann übrigens auch gut in die „Finfluencer“ Inhalte einfließen.
Merke: Frage ruhig nach, ob dein Berater zertifiziert ist oder ob der, der sich Coach nennt auch entsprechende Ausbildungen hat und wie viele praktische Erfahrungen im Coaching bereits vorhanden sind.
Kein Know-How vortäuschen
Kein Finfluencer oder Coach kann alles wissen. Umso wichtiger ist es, hier klar die Grenzen aufzuzeigen. Der Gegenüber sollte ein authentisches Gefühl bekommen, wie groß die Expertise in welchen Bereichen ist.
So zu tun als, würde man alles wissen, ist falsch.
Du erkennst einen ehrlichen Berater, wenn in einer langen Beratung auch mal der Satz fällt:
„Auf diese Frage kann ich nur grob eingehen, werde dies im Nachgang klären“
Oder auch:
„Bei diesem Thema kann ich mit dir nicht in die Tiefe gehen, da mein Wissen oder die praktischen Erfahrungen an dieser Stelle nicht ausreichen.“
Auch wenn dies vielleicht ein wenig „unprofessionell“ klingt, zeigt das, dass dir keine falsche Expertise vorgetäuscht wird und es eine ehrliche Beratung ist.
Merke: Kein Menschen ist allwissend perfekt!
Der Kunde muss sich weiterentwickeln
Wer ein (sich bewährtes) Schema nachmacht und möglicherweise erfolgreich wird, muss nicht unbedingt neues Humankapital aufbauen. Nachmachen bringt nichts.
- Ein guter Berater oder Coach sorgt dafür, dass du nach Abschluss eine bessere (Finanz Version) deiner selbst bist. Mehr Humankapital, welches lebenslang in dich verankert ist.
- Ein guter Finfluencer stellt nicht nur Produkte vor, sondern bemächtigt dich (über die Zeit) selbstständig zu denken, zu recherchieren und eigene Entscheidungen zu treffen.
Wirst du nicht zu einer besseren Version deiner selbst, dann wurdest du wahrscheinlich beraten (und möglicherweise verkauft).
Merke: Inhalte im Social Media und Coaches sollten dich weiterentwickeln und deine erlernte Unselbständigkeit verringern. Dagegen spricht Wissen zurückzuhalten oder der Wille, nicht alle Fragen zu beantworten!
Ist es das Haupteinkommen?
Ich glaube, hier mache ich mich ein wenig unbeliebt. Es muss jedoch gesagt werden.
Wenn Jemand von seinen Empfehlungen oder Beratungen sein Haupteinkommen bestreitet, dann ist diese nicht immer gut.
Ich möchte dies nicht zu weit ausdehnen. Doch stelle dir einfach mal folgendes vor:
Dein Business läuft nicht so wie geplant und du brauchst dennoch dein Einkommen, um deine (privaten) Kosten zu bestreiten:
Würdest du:
- mehr Kunden annehmen, um mehr zu verdienen (zu Lasten der Qualität)?
- Produkte empfehlen, die dir eine vielfache Provision bringen?
- die Kunden „stärker überzeugen“ um deine Bilanz zum Monatsende zu verbessern?
- deine Prognosen „etwas motivierender“ gestalten als sonst?
Sollten deine Antworten alle NEIN lauten, dann bist du ein guter Mensch und ich würde dich buchen bzw. deinen Kanal schauen. 😉
Merke: Wenn jemand von der Beratung oder dem Social Media Auftritt seinen Lebensunterhalt bestreitet, dann kann das ein Zeichen von Expertise sein. Es kann jedoch bedeuten, dass nicht die besten Empfehlungen gegeben werden oder die Qualität (personalisierte Arbeit) leidet.
Die drei have tos zum Schluss
Drei Punkte habe ich zum Schluss mitgebracht, die so selbstverständlich sein sollten, dass ich sie nur kurz anschneiden werde:
- Verschwiegenheit / Datenschutz
Alle persönlichen Informationen und die Situationen der Kunden gehören geschützt! - Objektivität
Inhalte sollten (so gut es nur geht) immer objektiv sein. Zu den Vorteilen gehören immer Nachteile und zu Meinungen auch immer Fakten. - Keine irreführenden, leichtfertige Informationen und Risikoanalyse
Falsche Informationen, oder solche, die den Kunden verwirren (oder alles absichtlich komplex gestalten), sind zu unterlassen. Gleichzeitig sollten die Inhalte auf das Risikoprofil angepasst sein (Beratung) oder die Risiken klar benannt werden (Social Media).
Fazit
Die neuen Regeln und Maßgaben der BaFin sind sinnvoll. Wenn es um den Schutz der Anleger geht, ist es wichtig, offen, transparent und ethisch wertvoll vorzugehen.
Auch wenn die Grenzen fließend sind, sollte man nicht rechtlich für das bloße nennen eines Aktientitels belangt werden. Schlussendlich ist der Empfänger ein Erwachsener, der im klaren Bewusstsein Entscheidungen selbst treffen kann und soll.
Dabei gilt das Prinzip: Wenn ein Kuchen nicht schmeckt, dann gehe ich auch mal zu einem anderen Bäcker!
Faire Grüße sendet dir
Christian